Kognitive Dissonanz

Von der N(ew) W(orld) O(rder) haben wahrscheinlich schon die meisten Leute gehört.
Wer sich damit noch nicht beschäftigt hat, denkt reflexartig an Pinky and the Brain und andere amüsante Unterhaltungsinstrumente, die das Streben nach einer Weltregierung gekonnt auf die Schippe nehmen. Damit ist das Thema dann auch schon wieder abgehakt. Und das ist normal. Wenn es stimmen würde, könnte man es, so meinen die meisten Leute, eh nicht ändern. Die Gedanken an solch ein Thema versüßen einem nicht grade den Tag und außerdem müsste man vielleicht selber seine Komfortzone verlassen und Verantwortung übernehmen. Warum sollte man sich mit so etwas befassen?
Klar, es gab schon krasse Sekten und ehrgeizige Mafias und diese existieren teilweise immer noch. Es gibt auch kranke Psychopathen und Soziopathen, insbesondere in der hohen Politik und in den Managerebenen – das weiß fast jeder. Aber dass eine Gruppe von „Personen“ ernsthaft daran arbeitet, die gesamte Menschheit zu unterdrücken, das kann sich ein gesunder Mensch eigentlich nicht vorstellen, sofern er nicht daran geht, sich mit dem Thema ernsthaft auseinander zu setzen. Das geläufige Sprichwort „Was ich selber denk´ und tu´, das trau´ ich auch anderen zu.“ umgedreht, hilft zu verstehen, woran das liegt. Das, was man selber nicht mal zu denken geneigt ist, das traut man niemandem als ernsthafte Handlung zu.
Genau wie das Ertönen der Klingel bei den pawlowschen Hunden die sofortige Speichelproduktion zur Folge hat, ruft dieses Thema automatisch den Begriff Verschwörungstheorie hervor. Allein das Wort „Verschwörungstheorie“ ist in etwa so angenehm wie für einen Arachnophobiker der Anblick einer Spinne. Igitt, bloß weg! Dass der Begriff nachweislich von der CIA erschaffen wurde, um Gerüchte um den Mord an Kennedy zu unterbinden, wird leider zu oft vergessen.

Ich habe schon in meiner Jugend wenig ferngesehen, kein Radio gehört und mich vor allem nicht für Politik interessiert. 2001 arbeitete ich auf einem Kreuzfahrschiff, das grade von der Meyerwerft in Papenburg fertiggestellt wurde. Sobald ein Schiff fertig ist, wird es aus dem Dock geholt, damit das nächste Schiff dorthin nachrücken und zusammengesetzt werden kann. Das fertige Schiff, in meinem Fall war es die „Norwegian Star“, wird dann in einen alten Militärhafen in Holland überführt, ich meine der Ort trug den Namen Deifjail. Hier bekommt der Kreuzer den letzten Feinschliff, wird ausgestattet und beladen, mit goldenen Wasserhähnen versehen und die Fassade gestrichen, die Crew absolviert ein dreimonatiges Training. Das war echt eine phantastische Zeit. Wie gerne wäre ich wieder der fröhliche, unbesorgte und immer lachende Mensch von damals?
In den drei Monaten gab es weder Zeitungen, noch Radio, noch Fernsehen, gar keine Kommunikation. Das Handy war zu der Zeit noch kein Smartphone (könnte noch das 3210 gewesen sein). Das letzte was ich sah, bevor wir nach Holland aufzogen, war durch die Fenster des Pförtner-Häuschens ein Blick auf den Fernsehr – der Anblick des in sich zusammenfallenden World Trade Centers hat mich geschockt! Ich konnte nicht einordnen was ich dort gesehen habe und habe drei Monate nichts mehr dazu erfahren. Die gesamte Konditionierung der Medien ging an mir vorbei.

2005 hörte ich häufiger im Radio von Kriegern, die im Sudan und Darfur schwere Gräueltaten verübten. Ich konnte nicht verstehen, warum niemand etwas dagegen unternommen hatte. Ich wusste, dass man Afghanistan und den Irak angegriffen hatte und verstand nicht so richtig warum. Aber ich war mir sicher, dass dies schon einen Grund haben würde. Immerhin sitzen verantwortungsbewusste Leute in den Regierungen, die von ihrem Volk gewählt wurden und sicher genau wussten, was sie da tun. Ich stellte das nicht in Frage, wunderte mich aber zunehmend darüber, dass man in Afrika nicht mal andeutete, etwas unternehmen zu wollen.
Als ich dann begann, im Internet zu recherchieren, war das Netz noch weitestgehend unreguliert und frei. Natürlich stieß ich sofort auf Verschwörungstheorien bzgl des 11. Septembers. „Was für ein Blödsinn“, dachte ich mir, „das kann doch gar nicht sein“, da war ich mir sicher. Aber ich wollte es dabei nicht bewenden lassen und mich stattdessen davon überzeugen, dass ich diese wilden Spinnereien auch ganz sicher ausschließen kann, wie verrückt das auch klang – ich wollte mir sicher sein, dass ich dies ausschließen kann. Und das könne ja nicht lange dauern, ein paar Seiten und dann hätte ich die Gewissheit, könnte das Thema beiseite legen und mich ernsthafteren Themen widmen. Doch je mehr ich mich damit auseinander setzte, desto mulmiger wurde mir dabei. Ich investierte mehr Zeit, um diese Theorien zu widerlegen und stieß nur auf neue Fakten und andere Themen, die ebenso unglaublich waren. Zum Beispiel die Bilderberger, ein geheimer Club, der sich seit 1954 jedes Jahr heimlich treffen und das Weltgeschehen beeinflussen soll, bestehend aus führenden Politikern, Wissenschaftlern, Konzernchefs und Großbankiers. Inzwischen ist diese Verschwörungstheorie eine Tatsache. Man ist vom Leugnen zum Rechtfertigen übergegangen.

Ab 2006 begann ich, mich mit nationaler, europäischer und globaler Politik zu beschäftigen und die Polit-Talks anzusehen, die meist so spät kamen, dass kein normaler Mensch um diese Uhrzeit noch wach war. Ich konnte hier (zumeist) keine Verbindung zu Verschwörungstheorien erkennen aber mir war klar, dass diese Darsteller den Zuschauer manipulieren und ihre Behauptungen häufig dumm waren und keinen Sinn ergaben. Schnell ekelte ich mich vor diesen Menschen, wollte aber auf dem Laufenden bleiben und mich nicht nur im Internet informieren sondern auch das aktuelle Tagesgeschehen damit abgleichen. Aufrichtig waren diese Menschen nicht.
Politisches Kabarett und Satiriker wie Georg Schramm und Volker Pispers haben mich mit ihrem starken Humor ebenso gut amüsiert, wie sie mich aufgrund der transportierten Inhalte beunruhigten.
Ich fand immer neue Quellen im Internet, konnte deren Qualität immer besser einschätzen und war nicht nur mit einer Unmenge an Themen vertraut, sondern habe mir auch ein umfangreiches Wissen sowie Verständnis für die Art des Agierens angeeignet. Phasen der Hilflosigkeit neigten zu Depressionen zu werden und wurden überwunden. Panische Angst hat mich nicht selten erfasst, konnte aber immer wieder besiegt werden. Schlafmangel ist seit spätestens 2008 mein ständiger Begleiter. Von 2009 bis 2011 habe ich grundsätzlich nur fünf Tage in der Woche (und auch hier nur höchstens sechs Stunden) geschlafen, die anderen Tage habe ich durchrecherchiert. Ich wurde immer ernster, zog mich immer mehr zurück – einfach aus Zeitgründen. Wie oft habe ich daran gedacht, dass ich doch gerne einfach mit ein paar Kumpels an einen See fahren oder mit meinem Bruder irgendetwas unternehmen, meine Familie öfter sehen würde? Das würde ich schon demnächst machen, sagte ich mir, und schob vieles von dem, was das Leben eigentlich ausmacht, von mir weg. Nicht mehr lange, dachte ich mir, und ich wäre mit den Themen durch. Das war eine Scheiß Zeit! Das wünsche ich wirklich niemandem.

Und trotzdem ist es richtig, dass ich es getan habe, so hart das ist. Heute bin ich in der Lage, vieles zu erklären – doch die Masse ist nicht in der Lage, zuzuhören. Ich habe Lösungen – aber die Mehrheit leugnet, dass es Probleme gibt. Die tatsächliche Volkskrankheit Nummer eins ist kognitive Dissonanz. Das bedeutet, dass die Grundeinstellung oder Grundannahme eines Menschen nicht mit dem übereinstimmt, was er wahrnimmt. Wenn ich beispielsweise der Meinung bin, ich würde in einem demokratischen Rechtsstaat leben, allerdings alles was ich mitbekomme den Anschein einer faschistischen Diktatur suggeriert, dann gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder ich untersuche die Wahrnehmung und passe meine Grundannahme aufgrund der Fakten an oder ich beharre auf meiner Meinung und versuche, die Wahrnehmung zu beeinflussen, indem ich mir alles zurechtbiege, wie wirr es auch sein mag, nur um mein Weltbild zu verteidigen. Und dabei gelangt man in eine Art Investitions-Spirale – je mehr Energie ich investiert habe, um das falsche Weltbild zu verteidigen, desto schwerer fällt es mir, dieses später zu hinterfragen.

Inzwischen haben die meisten Leute mitbekommen, dass hier einiges gewaltig schief läuft. Das Unbehagen nimmt zu und die Ahnung, nein, die Intuition, dass man eigentlich doch mal genauer nachsehen sollte, wächst kontinuierlich. Lediglich der Impuls, der Funke fehlt, sich endlich den größeren Themen zu stellen und die Hintergründen zu hinterfragen. Die Gesellschaft erinnert mich daran, wie ich als sechsjähriger bei der unendlichen Geschichte mitgefiebert habe, als Sebastian der kindlichen Kaiserin einen Name geben sollte. „Gib ihr doch einfach einen Namen! Steh einfach auf und ruf irgendeinen scheiß Namen!“ Sebastian hat es getan. Aber ich habe die Sorge, dass die Gesellschaft es nicht tun wird. Noch lässt sich das drohende Unheil abwenden, es ist im Moment sehr viel Bewegung in vielen Bereichen und wir haben eine historische Gelegenheit, die Menschheit in die Freiheit zu führen, Regierungen wieder zum Diener des Volkes zu machen und Kriege, Hungersnöte, Katastrophen und Gewalt MIT FRIEDLICHEN MITTELN zu beseitigen.

Nutzen wir diese Chance nicht, werden wir, die wir in dieser Zeit leben, eine nie dagewesene Katastrophe erleben, die sich nie wieder rückgängig machen lässt. Das Zitat „Wenn Ihr Eure Augen nicht zum sehen benutzt, werdet ihr sie bald zum weinen brauchen“ wäre hier nicht nur unpassend sondern falsch – denn Tote weinen nicht!

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